Marc Höpfner über seinen Roman

Was ist das eigentlich für ein Buch, das da mit diesem skandalösen Umfang von 540 Seiten daher kommt?

Trojaspiel ist ein Abenteuerroman.

Es ist die Geschichte einer Suche, und es ist wie die Geschichte wohl jeder Suche auch mehr als das.

Vier ganz unterschiedliche Menschen treten gemeinsam eine Reise an und verfolgen die Lebensspuren von T. L., einem so genialischen wie rätselhaften Baumeister von dreidimensionalen Labyrinthen.

Jeder von ihnen verfolgt damit auch seine ganz eigenen verschwiegenen Ziele, über die wir im Verlauf der Geschichte mehr und mehr erfahren.

Trojaspiel ist ein Abenteuerroman.

Das heißt in unserem Fall eigentlich zweierlei. Es ist zunächst einmal ein im besten Sinne abenteuerlicher Roman. Denn er erzählt die atemberaubend verschlungene Lebensgeschichte des Architekten und Genies T.L., die unsere vier Suchenden auf ihrer Reise anhand der Spuren, die sie auffinden Stück für Stück rekonstruieren.

Diese Geschichte führt uns zunächst in das Odessa der Zarenzeit: so beginnt das Buch : denn dort wird T.L. als Theodor Lanaiev im Jahre 1899 im schwärzesten Elend eines Armenviertels, der Moldawanka geboren. Hier im Ghetto der Verbrecher und auch der Juden prägen ihn die tragischen und tragikomischen Lebenseindrücke, die für seine eher ungewöhnliche Karriere als Architekt bestimmend werden.

Er ist ein Genie, keine Frage.

Aber kein gewöhnliches.

Damals hat man solche Menschen wohl‚idiot savant’ genannt „ also wissende Idioten“. Heute nennen wir sie etwas freundlicher Inselbegabte :

Menschen, die Gleichungen mit zehn unbekannten im Kopf rechnen können.

Menschen die hunderte von Büchern lesen und sie dann im genauen Wortlaut nacherzählen können.

Menschen, die im Hubschrauber über Frankfurt fliegen, einen kurzen Blick aus dem Fenster werfen und dann - wieder am Boden - ein genaues Bild der Stadt aus der Vogelperspektive zeichnen können, auf dem auch nicht eine Mülltonne fehlt.

So ein für uns normal Sterbliche kaum vorstellbares Wesen ist also dieser rätselhafte T.L..

In Odessa als Schüler von Rabbi Birnbaum und später als Assistent des Unterweltbosses Mishka Japonchik erfährt er seine manchmal fantastische, manchmal auch sehr grausame Vorbereitung auf die Odyssee, die fast lebenslange Irrfahrt, die vor ihm liegt.

Denn schon wenig später muß er, gerade 14, aus Odessa fliehen.

Und wir folgen seinem Weg nach Genua, nach Rom, dann in eine kleine deutsche Garnisonsstadt wo er des Mordes verdächtig wird und gezwungen ist, sich mehrere Jahre auf dem Dachboden eines Hauses zu verstecken. Danach geht es von Afrika über Südamerika nach Indonesien: nach Sumatra und schließlich nach New York.

Der Mann hat scheinbar etwa erlebt, ja, und der Leser erlebt es mit ihm!

Ein abenteuerlicher Roman also,

aber auch ein Roman der Abenteuer. Das ist ein Unterschied!

Ein abenteuerlicher Roman ist er aufgrund seiner Konstruktion, denn so labyrinthisch wie unser geheimnisvoller Baumeister seine Irrgärten konstruiert, so labyrinthisch will sagen in tausend Geschichten verschlungen erfolgt auch die Rekonstruktion seines Lebens im Roman.

Eine dichte Fülle von Schauplätzen, Stimmungen und Personen wird da vorgeführt immer folgt aber alles einem roten Faden, der den Leser wie der Ariadnes im Labyrinth, an die Lösung des Rätsels heran und in das Zentrum des Labyrinths führt.

Und es ist ein Roman der Abenteuer, denn er ist auch voll von den grotesken, heiteren und zuweilen sehr traurigen Begebenheiten die unsere vier Suchenden bei der Rekonstruktion von T.L.’s Biographie erleben.

Auf einem Weg, der sie von New York zunächst nach Deutschland, dann nach Rom und in die Katakomben und schließlich auf die griechische Insel Kreta führt.

Aber wie fängt diese unglaubliche Geschichte an?

Ein junger Deutscher kommt in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach New York und bezieht Quartier in einem alten Hotel.

Es ist ein ungewöhnliches Hotel.

Die Hälfte der Stockwerke ist verschlossen, niemand darf sie betreten.

Keiner der Gäste zahlt, sie alle, neurotische sensible – nicht ganz normale junge Leute , sind eingeladen worden vom Besitzer des Hotels. Einem exzentrischen Millionär armenischer Abstammung.

Der junge Deutsche, Tonio Ludwig, hat Baupläne im Gepäck.

Er hat sie auf dem Speicher der Familienvilla daheim in Deutschland gefunden.

Diese Pläne zeigen etwas, was es eigentlich gar nicht geben kann.

Etwas, das die Vorstellung dessen sprengt, der sie betrachtet.

Sie zeigen ein großvolumiges, dreidimensionales Labyrinth.

Eine riesenhaften begehbaren Irrgarten.


Derjenige, der diese Pläne gezeichnet hat, ein gewisser T.L., vermerkte selbst auf seinen Entwürfen, das es gar nicht möglich sein kann, so etwas zu bauen und doch gibt er eine Adresse an auf seinen Skizzen.

Es ist die Adresse ebendieses Hotels in dem sich Tonio Ludwig befindet.

Dann endlich lernt Tonio, den Besitzer des Hotels, den greisen Mahgourian selbst kennen.

Es entwickelt sich eine Art Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Hotelier und seinem jungen Gast.

Der alte Mann will die Pläne haben.

Sein Gast auf jeden Fall den verbotenen Teil des Hotels sehen.

Denn dort, so vermutet er, hat der geheimnisvolle Baumeister T.L. sein unglaubliches Labyrinth Wirklichkeit werden lassen.

Schließlich kommt es zum Tausch.

Der Hotelier hat seine Pläne erhalten und Tonio macht den Gang durch das Labyrinth.

Es wird sein Leben für alle Zeiten verändern.

Auch Mahgourian, den Hotelbesitzer hat das Labyrinth seit dem er es zum ersten Mal betreten hat, in seinen Bann geschlagen.

Das Leben des Alten scheint auf geheimnisvolle Weise mit dem des Baumeisters T.L. verknüpft zu sein.

Und auch in Tonio Ludwigs Biographie sind es nicht nur die Pläne, die er auf dem Speicher der Familienvilla fand, die eine Verbindung zu T.L. herstellen.

Das Schicksal hat, so scheint es, den Hotelier Mahgourian und den jungen Deutschen zusammengeführt.

Beider größter Wunsch ist es herauszufinden, wer dieser geheimnisvolle T.L. wirklich war.

An die Seite der beiden gesellen sich zwei weitere Personen.

Laura, eine andere Bewohnerin von Mahgourians Hotel, in die sich Tonio verliebt und der schwarze Professor Zack, ein verschrobener Obdachloser der in einem New Yorker Park Vorträge hält und Laura und Tonio in einer lebensbedrohlichen Situation geholfen hat.

Für jeden von ihnen ist die gemeinsame Reise, die jetzt beginnt nicht nur eine Spurensuche in den Fußstapfen eines Fremden.

Es ist eine Grals- und Sinnsuche, eine Reise in die eigene Persönlichkeit, der Versuch, das eigene Leben zu meistern zu begreifen, und nicht zuletzt, von Schuld zu reinigen.